Die Entwicklung unseres Zuchtverbandes

Als in den 70er Jahren in den österreichischen und westdeutschen Haflingerzuchten die Umstellung vom Arbeitstyp auf den Freizeit – bzw. Reittyp erforderlich wurde, boten sich zwei Wege an: die Selektion innerhalb der Rasse oder die Einzüchtung des verwandten Araberblutes. Beide Methoden verfolgten das Ziel, den Haflinger, der ja ursprünglich als Tragtier gezogen wurde, mit besseren Reitpferde – Eigenschaften auszustatten : das Stockmaß musste vergrößert , die Halsung verlängert und eleganter, die Schulter – und Sattellage verbessert und der Raumgriff erweitert werden. Ein edler Kopf mit freier Ganasche, eine ovale Rippenwölbung und etwas längere Fesseln waren ebenfalls erwünscht.

Nun ergaben sich die ersten Probleme in der Selektionszucht, da mit der Vergrößerung das in der Haflingerpopulation vorhandene Kaltbluterbe gefördert wurde : z.B.: grobe Köpfe, steile Schulter, starke Hälse.
Dagegen musste man bei der Anpaarung mit Arabern darauf achten, dass nicht Fehler, die beiden Rassen anhaften können, gefördert werden : geringes Stockmaß, mäßiger Rahmen, mangelhafte Brusttiefe. Doch hat die Erfahrung gezeigt, dass unter den Vollblut – und Shagya-Arabern sehr wohl brauchbare Partner waren, welche die genannten Mängel keineswegs vererbten. Ausreichender Rahmen und großlieniges Rechteckformat des arabischen Veredlers sind erforderlich , um in der Haflingerzucht Erfolg zu haben.

Während in manchen westdeutschen Bundesländern, besonders in Bayern und im Saarland, aber auch in Baden-Würthemberg und in Westfalen die Veredelungszucht unter Leitung der zuständigen Zuchtverbände durchgeführt wurde, so dass nur eingeringer Teil der deutschen Population keine arabischen Ahnen nachweist, wurde in Österreich nur von einzelnen Züchtern mit der Veredelung begonnen, zunächst gegen den Willen oder nur mit beschränkter Duldung der Zuchtorganisationen.

An erster Stelle ist hier der veredelte Haflingerstamm zu nennen, der bereits um 1964 mit dem Shagya Hengst K-Amurath II-1 durch Rittmeister Jeszensky in Kammer/Attersee begründet wurde. Der O.Ö. Pferdezuchtverband führte diese Zuchtprodukte der F1 – Generation im Pony – Register , in der R1 – Generation bereits im Haflinger – Register . Der Amurath – Nachkommenschaft entstammt auch die Siegerstute einer zentralen Stutbuchaufnahme 1987.
Heute jedoch werden im O.Ö. Haflinger – Stutbuch auf Grund eines Beschlusses der ARGE Haflinger nur Stuten mit höchstens 6,25 % Edelblutanteil eingetragen.

Wesentlich später führten die niederösterreichischen Züchter mit dem sächsischen Haflingerhengst Galant, sowie mit einem bayrischen Hengst (Nachtflug) etwas Araberblut zu, doch scheint damit die Veredelungsaktion abgeschlossen zu sein.

In Kärnten wurde vor 5 Jahren der Hengst Nimbus mit 6,25 % Araberblut anerkannt und eingesetzt.

In der Steiermark wurden angeblich schon 1960 Zuchtversuche mit Araberhengsten bei Derfflinger in Leoben durchgeführt, die aber nicht weitergeführt wurden. Vereinzelt sind Veredelungsprodukte im oberen Murtal zu finden.
Der Tiroler Verband startete 1976 einen Zuchtversuch mit „Freiherr“ der aber sehr bald einem Kolik – Anfall erlag.
Als Sohn des sehr schweren Haflingerhengstes Meiselstein und einer edlen Fawzane OX – Tochter war er zwar groß, aber wenig edel und unharmonisch. Seine Nachkommen wurden angeblich aus der Zucht genommen, können aber in westdeutschen Stutbüchern noch festgestellt werden.

In Salzburg erzeugte der Vollblutaraber Fawzane, ein großlieniger Hengst im Renntyp, mit einer Kärntner Haflingerstute zwischen 1970 und 1980 einen veredelten Stamm, der im Rahmen des Salzburger Haflingerverbandes unter der Geschäftsführung von Dr. Holz, Obmann des Landesvereines ländlicher Reiter, zur Rückzüchtung mit Reinhaflingern eingesetzt wurde. Dieser Zuchtversuch wurde 1974 vom Verbandsvorstand beschlossen, jedoch 1979 wieder außer Kraft gesetzt, wodurch die inzwischen herangewachsenen Jungpferde nicht mehr als Zuchttiere anerkannt worden wären. Damit waren deren Besitzer aber nicht einverstanden.

So kam es im Frühjahr 1979 zur Gründung eines eigenständigen Zuchtverbandes des Araber – Haflinger Pferdes , von der Behörde genehmigt und von der Landwirtschaftskammer anerkannt. Der ursprüngliche Wirkungsbereich für das Land Salzburg wurde Anfang 1993 auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet.

Der Gedanke , in der Haflingerzucht Araberblut zu verwenden, ist ganz folgerichtig, wenn man die Tatsache bedenkt, dass zum Aufbau der Haflingerzucht in Südtirol im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts mit wenigen Ausnahmen nur orientalische Voll- und Halbbluthengste eingesetzt waren, außerdem die vorhandene Stutenbasis – sowohl die heimischen Tiroler Stuten, als auch die aus Galizien und Bukowina importierten - stark arabisch beeinflusst war.

Nicht zu Unrecht wurden die Haflinger in den Akten des K.K. Hengstdepots Stadl-Paura in der Rubrik „Orientalisches Halbblut“ geführt. Somit betreibt unser Verband keine Kreuzungszucht, sondern eine neuerliche Blutzufuhr aus dem Rassenkreis der ursprünglichen Ahnen, um Reiteignung und Leistungsfähigkeit unserer vierbeinigen Kameraden zu verbessern.

Ursprünglich war eine intensive Rückzüchtung zum Haflinger geplant, dem Beispiel des bayrischen Haflingerverbandes folgend, wobei der Araber – Anteil höchstens 12,5 % betragen sollte. Jedoch zeigte die züchterische Erfahrung, dass die Eignung zum Reitpferd desto besser, je höher der arabische Blutanteil ist, der heute bei den meisten Zuchtprodukten zwischen 25 – und 37,5 % Edelblut liegt, wobei das Exterieur noch den Haflingertyp zeigt.
In weiterer Folge wuchs mittlerweile ein Stamm heran, bei dem der arabische Anteil bereits die Hälfte und darüber erreicht, also ein Halbblut – Araber auf Haflinger Grundlage, ein edler Reitpony – Typ, bei dem das Haflingererbe vorwiegend im Interieur vorhanden ist, weniger im Exterieur.

Diese beiden Zuchtformen können in sich rein weitergezogen werden oder sich ergänzen. Es liegt in der Hand des Züchters, ob mehr Wert auf Adel und Robustheit gelegt wird. Doch soll der Anteil der beiden Ausgangsrassen jeweils zwischen 1 Viertel und 3 Viertel liegen.

Das Araber-Haflingerpferd, eine Kombination vom österreichischen Kleinpferd, dem Haflinger und dem verwandten Araber, ist nun, nach mehr als 20-jähriger organisatorischer Betreuung, am besten Weg dazu, eine eigenständige Rasse zu werden;
vom edlen Haflinger – Typ bis zum eleganten Halbblut – Araber im Kleinpferde – Format.

Die positiven Eigenschaften der beiden Ausgangsrassen konnten bestens vereinigt werden : Schönheit und Harmonie, Härte und Anspruchslosigkeit, einwandfreier Charakter, angenehmes, aber lebhaftes Temperament und hohe Leistungsbereitschaft.
Abgesehen von der schweren Zugarbeit, die dem Kaltblut überlassen ist, können diese Pferde zu allen Verwendungsmöglichkeiten eingesetzt werden :
unter dem Reiter in der Dressur, im Springen und im Gelände ; im Gespann, aber auch unter dem Tragsattel im alpinen Gelände.

Eine besondere Eignung zeigen Araber-Haflinger für das Westernreiten, wie schon manche Erfolge und Plazierungen zeigen, dies besonders bei den Pferden mit höherem Araberblut – Anteil.
Somit ist eine Möglichkeit gegeben, auf heimischer Grundlage leistungsfähige und willige Westernpferde zu ziehen, wozu sich ihr Körperbau sowie auch ihr Interieur bestens eignen :
Gelehrigkeit, Durchlässigkeit, gute Reaktion auf reiterliche Hilfen, Ausdauer, gute Sattellage, harmonisches Exterieur.

Im Allgemeinen kann man bei unseren Zuchtprodukten Ganaschenfreiheit , wenig Unterhals und deutlichen Widerrist feststellen, was für das Dressurpferd von Bedeutung ist. Als Springpferde zeigen sie raumgreifende Gallopaden und energischen Vorwärtsdrang. Zahlreiche Plazierungen beweisen ihre Leistungsfähigkeit.

Auch im Gespann ist eine zufriedenstellende Arbeit festzustellen. Leicht am Gebiß stehend reagieren sie korrekt auf die Leinenhilfen und zeigen einen raumgreifenden, ruhigen Trab mit flacher Aktion. Auch der Anfänger kann mit solchen Pferden sehr zufrieden sein. Das Zuchtziel ist auf ein Reitpferd im Kleinpferderahmen abgestimmt :
ein Rechteckformat mit 140 – 150 cm Stockmaß, ein edler, trockener Kopf, dem Araber ähnlich, mit weiten Nüstern und sprechendem Auge sowie freier Ganasche.
Der Hals genügend lang, schön geschwungen und ohne Unterhalsbildung, der Widerrist kräftig ausgebildet, die lange Schulter schräg, die Brust nicht allzu breit, aber möglichst tief. Die Mittelhand soll harmonisch zum Gesamteindruck passen, mit gut gespanntem Schluß. Besonderer Wert ist auf eine lange, kräftige, harmonisch rund geformte Kruppe sowie beste Winkelung zu legen. Starke Gelenke, trockene Sehnen, gesunde Hufe und mittelstarke Röhren ( 18 – 19 cm ) sind für ein korrektes Fundament erforderlich.

Wenn auch auf Grund der Abstammung die Fuchsfarbe vorherrscht und meist auch erwünscht ist, so sind die Farbe und Abzeichen keineswegs Bewertungsmerkmale, denn : ein gutes Pferd hat keine Farbe.
Wenn zur Zeit auch noch ein Großteil der registrierten Population von Araber – Hengsten und Haflingermüttern abstammt, so ist es doch gelungen, einen soliden Zuchtstamm zu erzeugen, der ohne Haflingerblut und mit nur wenig Araberblut in sich weitergezüchtet wird und somit ein vielseitiges, anspruchsloses Kleinpferd österreichischer Zucht darstellt.